07.05.2018Andreas Meisner sieht die Gesamtschulen benachteiligt

Die Gesamtschulen in Niedersachsen sehen sich von Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) benachteiligt. Der Vorsitzende der Gemeinnnützigen Gesellschaft Gesamtschulen (GGG), Andreas Meisner, macht ihm schwere Vorwürfe.

Die rund 140 Gesamtschulen im Land befürchten für das nächste Schuljahr eine dramatische Unterrichtsversorgung. Andreas Meisner, Vorsitzender der Gemeinnützigen Gesellschaft Gesamtschulen (GGG) und zugleich Leiter der Integrierten Gesamtschule Franzsches Feld in Braunschweig, kritisiert, dass Kultusminister Grant Hendrik Tonne im laufenden Stellenbesetzungsverfahren die Gesamtschulen eindeutig benachteilige. Die Gymnasien seien dagegen deutlich überversorgt. An den IGSen liege die Unterrichtsversorgung deutlich unter 100 Prozent.

Zu wenig Lehrer an den neuen Gesamtschulen?

Von den 2000 Lehrerstellen, die ab August neu besetzt werden, gehen 845 an Grund-, Haupt- und Realschulen, jeweils 300 an Gymnasien und Oberschulen, 375 an Gesamtschulen und 180 an Förderschulen. Viele Gesamtschulen, die im Aufbau seien, erhielten für ihren neuen Oberstufenjahrgang keine Pädagogen. Um Schüler zum Abitur führen zu können, müsste folglich in der Sekundarstufe I Unterricht ausfallen. Und an einigen Standorten sei selbst so nicht die Fachversorgung in der Oberstufe gesichert. Der Lehrermangel werde sich auch im Ganztagsangebot bemerkbar machen: „Für verpflichtende Ganztagsschulen ist das dramatisch.“

Die Gymnasien würden dagegen auf bis zu 107 Prozent Unterrichtsversorgung „hochgepumpt“, um ab 2020 genügend Lehrer für das Abitur nach 13 Jahren zu haben, während andere Schulformen darben müssten. Dass der Minister rund 300 Stellen für Gymnasiallehrer ausschreibe, die dann aber erst für zwei Jahre an Grundschulen eingesetzt würden, zeuge auch nicht von einer konzeptionellen Personalplanung. „Ich habe das Gefühl, es geht Minister Tonne nur darum, die Verbände ruhigzustellen, die am lautesten schreien, und das sind die Gymnasialverbände.“ Am Freitag treffen sich Tonne und Vertreter der GGG zu einem klärenden Gespräch.

Ein Ministeriumssprecher erklärte: „Es gibt keine Schlechterstellung der Gesamtschulen gegenüber anderen Schulformen. Weder bei der Zuweisung von Lehrerstellen noch bei der Organisation des Kultusministeriums.“ Tonne sei mit den betreffenden Verbänden in regelmäßigem Austausch und werde die nächste, sehr zeitnahe Gelegenheit nutzen, um das zu verdeutlichen.

Eigenes Gesamtschulreferat im Ministerium einfach gestrichen

Die Abschaffung des eigenen Gesamtschulreferats im Ministerium sei ein weiterer Beleg für die Diskriminierung, moniert Meisner. Der Vorsitzende der Direktorenvereinigung, Wolfgang Schimpf, sieht in der Zusammenlegung von Gymnasien und Gesamtschulen in einem Referat dagegen eher einen Beweis für eine schleichende Verschmelzung, die Gymnasien würden innerlich zu Gesamtschulen gemacht, mahnt er. Das Ministerium spricht dagegen von einer sinnvollen organisatorischen Neuordnung und Kräftebündelung. Björn Försterling, Schulexperte der FDP, findet, die Schulformen seien so unterschiedlich, dass sie weiterhin eigenständige Referate verdienten.

Quelle HAZ-03.05.2018 von Saskia Döhner